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Abstracts 2026

Wissenschaftliches Vortragsprogramm – Abstracts

Ort: WH G 001

  • 14:00 Uhr: Daphne Auer: Selbstwirksamkeit und sozialer Zusammenhalt im Informationszeitalter: Ein app‑gestützter, niederschwelliger Ansatz zur Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements
  • Gesellschaftlicher Zusammenhalt und das Bewusstsein über geteilte Werte sind zentrale Pfeiler starker Demokratien. Die Orte und Mechanismen, die Zusammenhalt und Engagement in der Gesellschaft fördern, müssen allerdings weiterentwickelt werden, da sich mit dem Informationszeitalter die Art und Weise verändert, wie Menschen Informationen beziehen, kommunizieren, Bezugspersonen wählen und sich als Akteure wahrnehmen. Wir entwickeln die App „ZUMI – zum Mitmachen“, die Menschen durch niederschwellige, online initiierte Partizipationsangebote zu lokalem Engagement im analogen Raum motivieren soll. Ziel ist es, verschiedene Akteursgruppen miteinander zu vernetzen (Einwohnende, Schulklassen, politische Akteure, Verwaltung, Vereine, Unternehmen, Medien) und die Beteiligten durch das starke Netzwerk und den organisatorischen Rahmen in der App handlungsfähig zu machen. Der Vortrag gibt einen Überblick über das Vorhaben, erläutert Designentscheidungen und zeigt Anknüpfungspunkte zu unterschiedlichen Forschungsgebieten auf, u.a. bezüglich Mobilisierung, Netzwerkanalyse, Diskursqualität und inklusivem Zugang.
  • 14:25 Uhr: Mevre Tunca: PrivacyRisq
    Digitale Demokratie setzt voraus, dass Bürgerinnen und Bürger Vertrauen in den Umgang mit ihren Daten und digitalen Infrastrukturen haben. Gleichzeitig verdeutlichen zahlreiche Datenschutzverletzungen die anhaltende und teilweise zunehmende Gefährdung personenbezogener Daten. Obwohl rechtliche Rahmenwerke wie die Datenschutz-Grundverordnung existieren, fehlt bislang eine systematische und vergleichbare Aufbereitung realer Datenschutzvorfälle, die Organisationen bei der Bewertung konkreter Risiken unterstützt.
    Der Beitrag stellt das Projekt PrivacyRisq vor, eine Webanwendung zur strukturierten Analyse und Klassifikation von Datenschutzvorfällen. Die Methodik kombiniert Bedrohungsmodellierung mit LINDDUN-Threat-Trees und etablierten Risikoframeworks wie ISO/IEC 27005 und MITRE ATT&CK, um Vorfälle aus verschiedenen Datenquellen in quantifizierbare Datenschutzrisiken zu überführen.
    Zur Veranschaulichung wird im Vortrag ein historischer Fall, der Mord von Henry Symeonis vor rund 763 Jahren, genutzt. Anhand dieses Beispiels wird gezeigt, wie komplexe Ereignisse iterativ strukturiert und zu einem nachvollziehbaren Risikomodell weiterentwickelt werden können. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Datenschutzvorfälle häufig aus mehreren organisatorischen und technischen Faktoren entstehen und daher integrierte Ansätze zur Risikobewertung erfordern.
  • 14:50 Uhr: Paulina Stevanović: How We Draw in 3D:A Longitudinal Study of Embodied Strategies in VR Sketching
  • Virtual Reality (VR) sketching enables users to create 3D forms through full-body interaction, changing how spatial cognition, motor control, and creative decision-making come together. This PhD project investigates how people learn to sketch in VR across different drawing contexts, from controlled geometric tasks to creative, body-centric and spatially constrained scenarios.  The first study uses a longitudinal four-session design to analyze how users construct geometric forms in VR. Future studies extend this work toward creative drawing, comparing body-centric organic sketching, design spaces, fixed-space constraints, and different creative strategies. Overall, the thesis examines VR sketching as an embodied interaction practice, with implications for designing tools that better support spatial reasoning, creativity, and learning.
  • 15:15 Uhr: Elisabeth Steffen: Ctrl-F-Resist. Praktiken, Herausforderungen und technischer Bedarf zivilgesellschaftlicher Organisationen für die Online-Analyse antidemokratischer Bewegungen
  • Während antidemokratische Akteure Online-Plattformen zunehmend zur Verbreitung von Ideologie und zur Mobilisierung nutzen, übernehmen zivilgesellschaftliche Organisationen eine zentrale, aber kaum anerkannte Rolle bei der Analyse und Dokumentation dieser Dynamiken. Dieser Vortrag stellt eine qualitative Studie mit Praktiker:innen aus Deutschland vor, die untersucht, wie diese Organisationen Analysen im digitalen Raum durchführen, welchen Herausforderungen sie begegnen und welchen technischen Bedarf sie haben. Die Ergebnisse zeigen: Die Arbeit dieser Organisationen bleibt aufgrund fehlender passender Tools weitgehend manuell und ist dadurch sehr arbeitsintensiv. Offenheit gegenüber verstärkter technischer Unterstützung geht zugleich einher mit Skepsis gegenüber automatisierter Klassifikation durch KI-Modelle und einem Bewusstsein für deren Grenzen. Auf Basis der empirischen Ergebnisse werden ein konzeptueller Workflow sowie Empfehlungen für die Entwicklung konkreter Tools sowie für Forschung und Politik vorgestellt.